TIAS - Seite 2
Genisys, Genoa I und Genoa II
Genisys, Genoa I und Genoa II bilden den Kern des TIAS.
Genisys
Wohl abgeleitet vom Begriff „Genesis“ (Entstehung), hat das Genisys Projekt zum Ziel, riesige Datenbestände, die Informationen aus allen erdenklichen Quellen vorhalten, zu errichten und den Zugriff darauf zu organisieren. Die Datenbestände sollen in einem alles abdeckenden Datenbanksystem gebunden werden, das alle relevanten Informationen enthält, um potentielle, ausländische Terroristen und ihre möglichen Unterstützer, ihre Aktivitäten, Operationspläne und möglichen Ziele zu identifizieren. Nach Einschätzung des IAO sind aktuelle Datenbanktechnologien nicht dazu in der Lage, da die heutige relationale Datenbanktechnik nicht mehr ausreicht, um die Verarbeitungskapazitäten und -geschwindigkeiten heutiger Computer, Prozessoren, Speichermedien und Netzwerke - den Bedürfnissen der Geheimdienste entsprechend - auszuschöpfen. Die Genisys Datenbanktechnik wird sich dem entgegengesetzt durch folgende Merkmale ausweisen:
- es wird keine vorherige Datenmodellierung benötigt und eine einfachere Abfragesprache verwendet
- automatisierte Restrukturierung, Analyse und Projektion von Daten
- Daten werden automatisch im Kontext des Zeitpunktes und des Ursprungs ihrer Entstehung gespeichert
- Filter und automatisch arbeitende Datenagenten werden laut IAO zur Wahrung der Privatsphäre von US-Bürgern und Personen, die in keinem Zusammenhang mit Terroristen stehen und zur Anonymisierung eingesetzt
- besteht aus einer großen, verteilten aber auch einfachen und flexiblen Systemarchitektur, deren Bestandteile sich auf der ganzen Welt befinden können
Das IAO behauptet außerdem, das System würde durch seine gute Performanz, unendliche Skalierbarkeit und Speicherkapazität problemlos eine ungeheure Menge an Rohdaten-Input, Analyseergebnissen und Rückmeldeinformationen, die in das System einfließen, managen können. In der Beschreibung des Projekts findet sich auch die einzige Stelle, die auf die Belange des Datenschutzes und dem Schutz der Privatsphäre Bezug nimmt, ansonsten erscheinen die TIAS Projekte keinerlei Beschränkungen hinsichtlich des Datenschutzes zu unterliegen.
Angestrebte Phase III - Entwickung virtuell zentralisierter Datenbanken ohne praktisches Limit für das 4. Quartal 2005.
Genoa I und Genoa II
Genoa I
Das Genoa I Projekt hat eine neue „thematische“ Suchmaschine entwickelt, die, ergänzend zu herkömmlichen Suchmaschinen, den Benutzern des Geheimdienstnetzwerkes INTELINK erlaubt, systematisch und schnell „Informations-Nuggets“ in großen (und fremdem) Dokumentsammlungen und Datenbanken zu finden, ohne eine komplizierte Suchanfragesyntax bemühen zu müssen. Genoa sorgt damit für den Input an Daten, die in Genoa II und Genisys einfließen und dient dem Geheimdienst-Analyseexperten als eine von vielen Schnittstellen zum Genoa II/Genisys Komplex. Komponenten von Genoa sind bereits im Büro des Sekretariats für Verteidigung und der Joint Counter-Intelligence Assessment Group (JCAG), einer Behörde der Spionageabwehr, im Einsatz.
Genoa II
Das Genoa II Projekt konzentriert sich auf Informationstechniken, wie sie von Geheimdienstanalyseteams, bei Geheimdienstoperationen und von Polizeibehörden benötigt werden. So sollen Teamprozesse durch Automatisierung unterstützt werden, um mehr Informationen verarbeiten, mehr Hypothesen bilden und untersuchen, mehr Modelle aufstellen und bestätigen zu können.
„Read Everything (Without Reading Everything). Even today, analysts spend much of their time pressing a button that issues the command „NEXT DOC,“ to request the next document. We've got to get past the NEXT DOC world. There is too much that must be read to actually read.“
Thomas P. Armour, Genoa II Projektmanager
Für diese Ziele soll Genoa II bereitstellen:
- kognitive Unterstützung, die es Mensch und Maschine erlaubt, in Realzeit „gemeinsame Überlegungen“ („think together“) zu komplizierten Problemen anzustellen
- Mittel, um die Begrenzung und Eindimensionalität des menschlichen Erkenntnissystems zu überwinden
- „kognitive Verstärker“ auf Softwarebasis, die Techniken kognitiver, künstlicher Intelligenz, von Agentensystemen, assoziativen Speichern, neuronalen Netzwerken, Mustererkennung, Bayesianische Inferenznetzwerke (Netzwerke, die dazu benutzt werden, um Suchanfragen über die Errechnung der wahrscheinlichen Relevanz eines Dokuments für die gestellte Anfrage zu beantworten) und genetischer Algorithmen (Rechenregeln, die sich nach Prinzipien, die von biologischen Prozessen der Evolution und Mutation abgeleitet wurden, selbst weiterentwickeln) in sich vereinigen. Diese Softwareverstärker sollen menschlichen Teams unterstützen, komplexe und ungewöhnliche Situationen schnell und vollständig zu verarbeiten, indem sie ständig Modelle des Ist-Zustands wie plausibler Zukünfte aufstellen, Risikoanalysen mit einbeziehen und automatisch entworfene Handlungs- und Entscheidungsoptionen liefern.
- über dynamische, sich selbst anpassende Peer-to-Peer Netzwerke sollen verzögerungsfrei und auf direkten Wegen existierende, eng-hierarchische Organisationsstrukturen, wie sie in den jetzigen Geheimdienstbehörden anzutreffen sind, durchbrochen und ergänzt werden
„We imagine software agents working along with humans in creating models using our tools…and having different sorts of software agents also collaborating among themselves. Thus we imagine the three modes of collaboration: people with people, machines with machines, and people with machines.“
Thomas P. Armour, GENOA II Projektmanager
Die letzte Erprobungsphase V ist für das 3. und 4. Quartal 2007 geplant.
Über die Verbindung der drei Systeme würden Datenbanken und -quellen, die sich außerhalb der Geheimdienstbereiche befinden mit den geheimdiensteigenen Datenbeständen zu einem riesigen, verteilten und „intelligentem“ Datenbanksystem verschmolzen werden. Die folgenden Systeme ergänzen den Genisys-Genoa Komplex um spezielle Datenverarbeitungstechniken, die einerseits dem Komplex Daten erschließen und andererseits für den Nutzer aufbereiten.




